Spiekerooger Segelclub SSC

...Wassersport auf Spiekeroog

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Traditionen auf Spiekeroog (2015)

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Traditionen auf Spiekeroog

Traditionen sind etwas Gutes. Das macht die Sache einfach. Entsprechend kurz ist der Planungsaufwand: "Pfingsten?" - "Tide Neuharlingersiel!" - "Dein Zelt?" Also dann: Samstag, 3 Bft. aus Nord, Boote aufbauen - und schon finden Andreas und ich uns im Priel von Neuharlingersiel wieder. Intensives Wenden-Training in der Fahrrinne, gewürzt mit Gegenverkehr vom Fischkutter und der Fähre. Danach ist man aufgewärmt.

Weil unser Gepäck vom Jollenkreuzer "Albatros" mitgenommen wird (Hey Floh, Du hast noch 'nen Bier bei uns gut!), können wir uns einen Umweg erlauben. Für den Blick auf die Nordsee geht es zwischen Spiekeroog und Langeoog hindurch auf die Kreuz. Dort kommen uns bereits 4 Bft. entgegen, und zwischen den Inseln türmt sich die Welle fast 2m hoch auf. Der Contender galoppiert dankbar hindurch. Das schüttelt das mitgebrachte Bier gut durch und ist mal was anderes als Regatta-Dreiecke zu segeln! Jetzt noch die Ansteuerungstonne "Otzumer Balje" runden und auf der Welle zurück reiten. Kleiner Tipp: wenn es achtern rauscht, nicht zurück blicken. Nach so einem herrlichen Segelerlebnis lassen wir den Tag in Ruhe ausklingen.

Aufgrund der Tide ist am Sonntag die Steuermannsbesprechung bereits morgens um 07:00 Uhr (in Worten: s-i-e-b-e-n-!!!). Wegen des flauen Windes gibt es eine Änderung: Die Kats fahren 2 und der Rest 1,5 Runden. Soll heißen, dass wir die Ziel-Linie in die andere(!) Richtung durchfahren müssen. Soll man auf nüchternem Magen mit der Tradition brechen? Apropos Magen. Der Supermarkt ist auf Zack und lässt die hungrigen Segler noch vor der offiziellen Öffnungszeit rein. Auf dem Rückweg holen wir die vorgeheizten Neos aus der Dusche und machen uns matsche-patsche auf den Weg zur Startlinie.

Dort haben wir 2 Bft. aus Süd-West und genug Zeit um die theoretisch bessere Seite der Startlinie durch einen Praxistest zu bestätigen. Danach geht es auf die Sandbank, um den 1. Start zu beobachten. Das Startschiff liegt quer im Strom und schwoijt ein wenig, so dass die Peilung vom Mast zur Fahrwassertonne "OB 9" mal Backbord oder mal Steuerbord vom Ruder liegt. Wie soll man da die Startlinie finden? Die Jungs von der Jade-Hochschule zeigen, wie es geht. Zum 2. Start sind wir dran. Wir starten auch am Schiff und können uns vom Feld absetzen. Traditionell geht es erst mal dicht unter Land, um den Ebbstrom auszusegeln. Andreas traut sich mehr als ich und fährt voraus. Bis zur 1. Bahnmarke bin ich wieder dran. Auf dem nächsten Bahnschenkel beginnt der Wind zu schwächeln, während wir uns durch den 1. Start arbeiten. In der Folge fährt Andreas immer wieder einen guten Vorsprung heraus, den ich des öfteren einholen oder zumindest verkürzen kann. Dabei ist jeder Schenkel nahezu ein Anlieger, was an Straßenbahnfahren erinnert und wenig Raum für Taktik lässt.

Nach der 1. Runde ist das Niedrigwasser durch, der Start vor uns eingesammelt und die schnellen Boote aus dem 4. Start beginnen wiederum uns einzuholen. Inzwischen kann man nicht mehr von Wind reden, sondern nur noch von einem Hauch, der hier und dort über das Wasser streicht. Solange die Flut uns zur "OB 13" am abzweigenden Fahrwasser nach Neuharlingersiel schiebt, ist es zu ertragen. Aber der Weg zurück gegen den Strom gestaltet sich schwierig. Der Jollenkreuzer "Passé Partout" passiert alles und jeden, indem er entgegen der üblichen Strom- und Feldtaktik sich von Windfeld zu Windfeld hangelt und die Regatta nach berechneter Zeit gewinnt. Andreas schafft es auch irgendwie pünktlich ins Ziel und wird berechnet Dritter, während ich mir ein Wettrennen mit der "OB 11" liefere. Sie fährt zwar nicht besonders schnell durchs Wasser, aber konstant. Und außerdem läuft so eine Fahrwassertonne eine super Höhe! Als wenn das nicht schon genug wäre, meint ein 30er Jollenkreuzer mich zu ärgern zu wollen, was ihm nach Verletzung der WR 11 später auf der Party ein paar Bier kosten wird.

Bier steht auch auf der Sandbank, was eine schöne Tradition ist. Kurz nach mir trifft bereits die Hochschule ein. Weitere folgen, oder beenden das Treiben vorzeitig. So entsteht plitsch-platsch ein angenehmer Klönschnack bei Flaute und Sonnenschein während das Wasser steigt, die Sandbank allmählich versinkt - und der auf dem Sand deponierte Seesack von Claas evakuiert werden muss. Derweil ankert das Regattafeld wenige Meter vor dem Ziel oder treibt rückwärts. Später nimmt uns die "Moddermann" auf den Haken und schleppt uns in den Hafen. So wie letztes Jahr. Das entwickelt sich langsam zur Tradition. Und Traditionen sind ja bekanntlich was Gutes. Die Wettfahrtleitung harrt aus, genauso wie viele andere Yachten. Als dann doch noch Wind aufkommt, bleiben sie etwas länger auf dem Wasser, so dass weitere Yardstickgruppen in die Platzierungen gelangen.

Zurück auf der Insel gehen wir den Rest des Tages gemütlich an. Schlaf nachholen und Kraft tanken für die Party am Abend. Traditionell gibt es zum Anfang der Party Geschenke. Man nennt das Preisverleihung. Die ersten 3 Plätze jeder Gruppe erhalten per Los etwas Nützliches aus dem Geschenke-Opti, was von den Jüngsten herausgesucht wird. Das ist wie Schatzsuche. Entgegen der Tradition bekommen die ersten drei keinen Stander mehr, sondern der Erste ein Bild der namensgebenden "Seestern" in einem Block aus Akryl. Dann kann die Party endlich beginnen! In guter Tradition spielen "The Tramps" bis 02:00 Uhr. Wer noch nicht genug hat, zieht trotz dichten Nieselregens weiter ins "Old Laramie", so wie unsere Freunde von der nautischen Hochschule. Mittelalte Herren wie wir ziehen ein trockenes Zelt mit warmen Schlafsack vor.

Wer diesen Pfingst-Montag in Neuharlingersiel slippen möchte, muss das bis 09:00 Uhr schaffen oder kann es um 14:00 wieder probieren. Insofern hat presenile Bettflucht den Vorteil, dass man den frühen Termin schaffen kann. Nach unserem Alarmstart ist noch genug Zeit hinter dem Spiekerooger Priel bei Nord 3 kurz mal ins Trapez zu springen, um zu sehen wie gut so ein Contender mit Gepäck durch die Welle marschiert. Das spült gleichzeitig den Matsch der Insel aus dem Boot und den Restalkohol aus den Ohren. In Neuharlingersiel steht bereits ein Jollenkreuzer mit Trailer an Land während ein weiterer an der Spundwand wartet. Das Ende der Drift ist etwas matschig, aber wir kommen mit den Slipwagen noch bequem über die Kante. Nachdem wir die Trailer geholt haben, bittet uns der zweite Jollenkreuzer hektisch um Hilfe. Die Slipkante liegt bereits frei, bzw. im Schlick, das Boot liegt hoch und trocken auf dem Trailer und der Trailer hängt mit den Rädern vor der Kante. Wie gut, dass wir noch im Neo stecken, denn es entwickelt sich eine Schlammschlacht. Mit Pallhölzern und den Hebelgesetzen kommt der Jollenkreuzer auch ohne Wasser die Drift hoch. Hafenkino! Nachdem wir unsere Boote verpackt haben, beenden wir das gelungene Wochenende traditionell mit einem Fischbrötchen in der Sonne und ordern fürs nächste Jahr 5 Bft. zur Regatta. Hoffentlich kann sich Rasmus das so lange merken.

Andreas (GER 11, "blindes Huhn") und Dirk (GER 2527, "Conspiratrice")